Kongresspräsident Professor Wolfgang Rüther über den 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie 2010 in Hamburg.
Herr Prof. Rüther, Sie haben ein positives Resümee über die zurückliegenden Kongresstage in Hamburg gezogen. Mal ganz ehrlich: Sind Sie eigentlich froh, dass es vorbei ist?
Gremiensitzungen, wissenschaftliche Meetings, gesellschaftliche Verpflichtungen und persönliche Kontaktpflege – der Kongress verlangt eine enorme Konzentration. Ich habe es schon als eine Art Marathonlauf empfunden. Es ist gut und entspannend, dass er geschafft ist.
Was waren Ihre persönlichen Kongresshighlights?
Tief beeindruckt hat mich die hervorragende Betreuung durch unsere Rheuma-Akademie, die den Kongress in diesem Jahr zum ersten Mal organisatorisch begleitet hat. Als Kongresspräsident ist man da sehr nah dran. Aus wissenschaftlicher Sicht erschienen mir die Plenary Sessions exzellent vorbereitet und vorgetragen und auch die Posterpräsentationen fanden nach meiner Wahrnehmung eine sehr gute Resonanz. Ein alljährliches Kongresshighlight ist zudem die Mitgliederversammlung. Das war auch dieses Mal so.
Das Schwerpunktthema des Kongresses war die Arthrose. Was hat der Kongress hier Neues gebracht?
Die Kenntnisse um die Arthrose haben in ihren Details in den letzten Jahren zugenommen, im Vergleich zu den entzündlichen Erkrankungen stehen wir mit unserem Wissen hier aber noch am Anfang. Eine gute Zusammenfassung der aktuellen Themen ergab die Plenary Session am Freitagmorgen. Hier stellten die Referenten Möglichkeiten zur Frühdiagnostik durch bildgebende Verfahren vor, Ansätze für die Schmerztherapie und Ideen für eine Basistherapie der Arthrose.
Der Kongress lebt den Trend, der sich in der Rheumatologie immer deutlicher abzeichnet: Interdisziplinarität, also die vernetzte Zusammenarbeit der rheumatologischen Disziplinen untereinander und mit Kollegen aus anderen Fachbereichen. Die Zusammenarbeit mit den Kongresspartnern GKJR und ARO spiegelt dies wider. Wie erleben Sie den Kooperationsgedanken?
Der interdisziplinäre Austausch war für mich ein Highlight des Kongresses. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Pädiater, Orthopäden und Internisten sehr viel miteinander gesprochen haben. Die große Mehrheit unterstützt den Kooperationsgedanken. Es kann aber nicht darum gehen, Pädiater und Orthopäden in der DGRh zu amalgamieren. Die drei wissenschaftlichen Gesellschaften müssen ihre ureigenen Wurzeln behalten. Wichtig ist, dass man dennoch gut zusammenarbeiten kann. Die Voraussetzungen darfür haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. In den Kongress, die Akademie und in das Kompetenznetz Rheuma – überall ist Interdisziplinarität eingekehrt.
Was geben Sie dem zukünftigen Kongresspräsidenten, in 2011 wird es Prof. Schulze-Koops sein, als Tipp mit auf den Weg?
Er sollte im Blick haben, dass er nicht der alleinige Kongresspräsident ist, ein großes Ziel anstreben und die Details im Auge haben.
Sandra Wittig, DGRh-Geschäftsstelle, 23.09.2010